Reisebericht Costa Rica: Hängebrückenwanderung und Schmetterlinge

Der nächste Morgen begrüßte uns mit einem heiteren Regenguss, ich meine wie aus heiterem Himmel plätscherte der Regen herunter und verbreitete sofort das Gefühl: „Wollen wir wirklich aufstehen?“ Von unserem Bett aus konnten wir durch riesige, schaufensterartige Fenster in dem prachtvollen tropischen Garten die Tropfen fallen sehen. Kuscheltag? Aber der knurrende Magen trieb uns dann doch aus den Federn. „Was für ein geniales Zimmer“, meinte mein Mann. „Aber guck mal, was ist denn das?“ Überall waren Zettel von der Vermieterin angebracht, was man beachten und wie an sich verhalten solle, wobei die Tür regelrecht von den „Gehirnanregern“ vollgepflastert war. Ich musste schmunzeln: „Das hat die nur für dich gemacht, da sich dein Ruf als ‚Rüpel‘ bis hierher herumgesprochen hat. Und nun gibt’s zur tollen Aussicht sogar noch gratis die Hinweise.“ Dann lachten wir beide schallend und gingen frühstücken.

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Nach dem Frühstück hatte der Regen sein Zepter an Kameraden Niesel abgegeben. „Na, geht doch“, fanden wir, „waren lange nicht nass geworden.“ Und so zogen wir los in der Hoffnung, den Vulkan Arenal doch noch zu Gesicht zu bekommen, denn der hielt vermutlich ein Nickerchen und hatte die „Gardine“ zugezogen.

Blick zum Arenalsee

Blick zum Arenalsee

Unser Plan war, mit einer Gondel nach oben in die Berge zu fahren und von dort aus eine Wanderung zu unternehmen. Die Zeit bis die nächste Gondel kam, vertrieben wir uns, indem wir im Souvenir-Geschäft die zum Verkosten ausgelegten schokolierten Süßigkeiten in uns hineinstopften und gar nicht genug davon bekommen konnten. Als endlich alle geführten Wandertruppen gen Himmel verschwunden waren, fiel doch wirklich Jemandem auf, dass es da noch zwei wie uns gab, die auch mitwollten. Und so stellte sich ein Gondolliere als unser persönlicher Guide vor. „Na ganz großes Theater“, meinte mein Mann, „eigentlich wollten wir doch allein wandern und jetzt haben wir den im Gepäck.“ Ich war auch nicht sonderlich begeistert Und so ging es im nun wieder strömendem Regen nach oben, zu dem sich nun noch ab 1000 m der Nebel gesellte und jegliche Sicht versperrte. Als wir zu einem Aussichtspunkt kamen und die Nebel aus dem Regenwald aufsteigen sahen, waren wir nicht nur fasziniert von diesem Anblick, sondern mussten unweigerlich an Filme dieser Art denken. Sitzt man auf dem Sofa und schaut sich einen Film im Fernsehen an, denkt man oft: „Na, wie können die sich nur so anstellen und laufen dauernd im Kreis.“ Aber jetzt ist uns so richtig bewusst geworden: Diese wunderschöne grüne Landschaft, die aber zur Hölle werden kann, kann dein Gefängnis sein. Sich da herauszufinden, dürfte nicht ganz einfach sein.

Dichter Nebel im wunderschönen Regenwald bei Arenal Costa Rica

Dichter Nebel im wunderschönen Regenwald bei Arenal Costa Rica

 

 

Nebel steigen wie Gespenster aus dem Regenwald auf

Nebel steigen wie Gespenster aus dem Regenwald auf

Oben angekommen verließen wir unsere Gondel und wurden auch von unserem persönlichen Guide hast-du-nicht-gesehen verlassen. Und so begann unser Abstieg wie wir es wollten – allein.

Hängebrücke Nähe Arenal Costa Rica

Hängebrücke beim Sky-Walk Nähe Arenal Costa Rica

Ich hatte die Hängebrücke schon bemerkt, noch ehe sie mein Mann wahrnahm. Irgendwie bin ich auf diese Dinger fixiert, weil sie halt wackeln, hoch sind und so gar nicht zu mir passen. „Ist die toll“, jubelte mein Mann, ich ließ mir nichts anmerken. Schließlich wusste er ja, dass ich meine letzte Hängebrücke nur mit Widerwillen überquert hatte. Und so marschierte ich als Erste los. „Dann hast du den Spaß wenigstens schnell hinter dir“, pochte mein Hirn an die Schädeldecke. Es war auch gar nicht so schlimm, bis mein Mann einen solchen Gefallen an der Hängebrücke fand, dass er sich breitbeinig hinstellte und sie „in Bewegung“ versetzte. „Hör sofort auf damit“, drehte ich mich abrupt zu ihm um, „das muss doch nicht sein, oder?“ „Nein, das muss wirklich nicht sein“, lachte er, „doch es macht Spaß.“ Aber er ließ mich die Hängebrücke bis zum Ende in „Frieden“ laufen und schaukelte sich dann in der Mitte noch ein bisschen. (Ich habe ja Fotos von diesem Akt – aber die behalte ich lieber für mich 🙂

Mittlerweile hatte sich auch das Wetter aufgeklärt. Und bei schönem Sonnenschein ging unser Wandertag zu Ende.

Mein Mann, der ein wenig „fußlahm“ war, legte sich in eine Hängematte vor unserem Zimmer, während ich noch zu einer Schmetterlingsfarm bummelte.

Irgendwie hatte ich einmal gehört, dass man Schmetterlinge nicht anfassen solle, da sie sonst sterben müssten. Ich weiß nicht, ob das stimmt, konnte mich aber gegen einen blauen Schmetterling nicht wehren. Er war wie verrückt nach meiner Hand  und hing an mir wie eine Klette bis ich die Halle wieder verließ. Während es um mich herum flatterte und die Schmetterlinge kaum eine Sekunde ruhig sitzen blieben, konnte ich doch einige schöne Fotos von ihnen schießen.

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Am nächsten Tag sollte uns unsere Reise an die Westküste in ein schönes Hotel führen, wo wir einige Tage bleiben und relaxen wollten. Doch da streikte unser Auto…

Mein nächster Bericht: Impressionen von der Pazifikküste Costa Ricas.

Tipps:

Unterkunft:

Nido del Colibri Unterkunft in El Castillo Costa Rica

Hummingbird Nest – Unterkunft in El Castillo Costa Rica

  • Hummingbird Nest in El Castillo (am Arenal-See)
  • Um diese Unterkunft zu finden, ins Navi „Hummingbird Nest oder „Nido del Colibri“ (spanische Bezeichnung) eingeben
  • Auf der Hauptstraße von El Castillo gegenüber von einem Straßen-Restaurant findet man ein sehr kleines Schild mit der Aufschrift „Nido del Coliri“. Eine sehr enger Weg (normalerweise von der Straße aus kaum zu sehen) führt dann in den Garten dieser Unterkuft, wo man dann auch sein Auto parken kann. Dort steht auch das oben aufgeführte Schild, dass die Unterkunft auf dem Berg ist. Wer wie wir im Dunkeln anreist, ist hier ein wenig überfordert, da man zum Einen das Schild nicht sieht und zum Anderen nicht vermutet, dass der sehr steile Weg zur Unterkunft führt.
  • Kosten: pro Zimmer pro Tag 100 USD
  • Hervorragendes Zimmer mit Blick in den tropischen Garten aus riesigen Fenstern (direkt vom Bett aus). Sehr gutes Frühstück, frisch zubereitet. Liegt oberhalb eines sehr steilen Hanges, so dass man zwar einen sehr guten Blick hat, jedoch für Rollstuhlfahrer oder anderweitig Behinderte nicht geeignet ist. Es gibt jedoch einen „Schleichweg“ durch die Anlage eines anderen Hotels, so dass man wenigstens sein Gepäck nicht den steilen Hang hinauftragen muss.
  • Die oftmals im Internet beschriebene Vermieterin, die sich mit diesem Anwesen einen Wunsch erfüllt hat, wirkt gar nicht glücklich, sondern eher launisch und arrogant. Sie hat überall im Zimmer Zettel mit Regeln verteilt (an der Tür, Toilette etc.). Verstößt man gegen eine dieser Regeln, weil man den Zettel eventuell übersehen hat, hebt sie schnell die Stimme, um uns zurechtzuweisen“. Wer mit solchen Dingen nicht umgehen kann, liegt hier falsch. Wir haben das Zimmer mit Frühstück gebucht und nicht die Vermieterin, unsere Wahl würde jedoch nicht unbedingt wieder auf diese Unterkunft fallen, da es schon nett ist, im Urlaub nett behandelt zu werden.

Hängebrückenwanderung

Karte für den Sky-Walk mit Hängebrücke

Hängebrückenwanderung – Rundwanderweg, wobei man die Länge der Wanderung selbst festlegt

  • Sorry, die Karte ist etwas geknickt.
  • Eine sehr schöne Hängebrückenwanderung kann man mit Sky-Walk unternehmen. Man fährt mit der Gondel (Sky Tram) nach oben in die Berge. Von dort aus kann man einen Rundweg (Trail) wandern und selbst bestimmen, welche Strecke man laufen will. Egal ob kurze oder lange Wanderungen, immer sind Hängebrücken mit involviert. Wir würden diese Wanderung als „leicht“ einstufen, weisen aber auch hier darauf hin, dass der Weg nach unten ein wenig steil ist und für Gehbehinderte eine Herausforderung sein könnte.
  • Preis: 45 USD pro Person für die  Sky Tram – was wir für viel zu hoch und überzogen empfanden. Die Wanderung an sich ist kostenlos. Auch kann man Canopy dort machen, was extra kostet. Hierüber habe ich jedoch keine Informationen und man müsste sich vor Ort erkundigen.
  • Es gibt einige sehr schöne Aussichtspunkte, viele schöne Pflanzen und Bäume – Tiere haben wir nicht gesehen.
  • Eine sehr schöne Wanderung, die wir gern empfehlen können.

Schmetterlingsfarm

Karte, wie man die Schmertterlingsfarm findet

Karte, wie man die Schmertterlingsfarm findet

  • Die Schmetterlingsfarm findet man aufgrund vieler großer Ausschilderungen sehr gut. Wer im Hummingbird Nest übernachtet, erreicht sie nach einer kurzen Wanderung die steile Straße hinauf auf der rechten Seite.
  • Eintritt: 16 USD pro Person. Da ich diesen Preis sehr hoch fand, habe ich meine Beweggründe dargelegt, weshalb der Preis zu hoch sei. Eigenartigerweise ließ man mich dann für 10 USD hinein.
Karte über Sehenswürdigkeiten der Schmetterlingsfarm El Castillo, Costa Rica

Karte über Sehenswürdigkeiten der Schmetterlingsfarm El Castillo, Costa Rica

  • Man kann sehr schön die wichtigsten und schönsten Schmetterlinge Costa Ricas dort sehen.
  • Auch findet man dort einige Pfeilgiftfrösche in einem dunklen Raum in winzigen Gefäßen eingepfercht, was ich ganz fürchterlich fand. Im Gegensatz zum Froschhimmel in Frogs Heaven ging es diesen Tierchen hier sehr schlecht, was ich auch am Ausgang sagte, jedoch Niemanden interessierte.
  • Einen kurzen Rundweg (Trail) kann man ebenfalls laufen, der jedoch unspektakulär ist.
  • Alles in allem ist die Schmetterlingsfarm (Butterfly Conservatory) wegen der Schmetterlinge recht schön, jedoch nicht unbedingt ein Punkt, den man gesehen haben muss.

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16 comments

  1. Katrin testet für Euch

    hallo Sabine,

    wieder sehr ausführlich und spannend berichtet 😉 *wow

    Super sind auch die schönen Bilder – besonders die hohen Bäume und Schmetterlinge faszinieren mich am Meisten !

    LG und schönes WE
    Katrin

    • sabinetopf

      Hallo Katrin,

      ich freue mich, dass dir die Fotos gut gefallen. War auch eine richtig schöne Wanderung. Und die Schmetterlinge sind sowieso toll,aber schwirren schnell wie der Wind …lach.

      Liebe Grüße Sabine 🌻

  2. Testgitte70

    Deine Bilder von der Schmetterlingsfarm sind ein Traum!
    Als ich deine Hängebrücke gesehen habe, ist mir sofort das Dschungelcamp eingefallen :-))))
    Ich wünsch dir noch ein schönes WE
    LG Brigitte

    • sabinetopf

      Ganz ehrlich Brigitte,ich habe auch daran gedacht. Dschungelcamp für uns zwei… lach. Der Dschungel war aber auch derart dicht, dass man sich gut darin verirren kann. Bei uns natürlich nicht. War ja alles super ausgeschildert. Aber dort ausgesetzt werden, wollte ich sicher nicht 🙂

      LG Sabine

  3. Tanjas Bunte Welt

    Hallo Sabine,
    puh also dein Mann ist mutig. Zu wissen du magst das nicht, und dann zu wackeln anfangen. Typisch Mann, da kam das Kind sicher durch. Bin schon gespannt was da mit eurem Auto passiert ist.
    Liebe Grüße
    Tanja

    • sabinetopf

      Da sind die Pferde mit ihm durchgegangen. Er hat aber schnell mein Funkensprühen gesehen und gerade noch die Kurve bekommen. .. lach.

      Liebe Grüße und bis nächste Woche
      Sabine.

  4. Tati

    Liebe Sabine,

    ich weiß, ich wiederhole mich, aber ich hänge immer total gefesselt an deinen Urlaubsbeiträgen und sauge sie förmlich in mich auf, dazu noch die schönen Fotos. Es ist fast so, als wäre man irgendwie selbst dabei gewesen. 🙂

    Ich war in Bayern einmal in einem Schmetterlingshaus. Dort haben wir die hübschen Dinger gefüttert und sie klebten auch förmlich an uns. Ich denke, solange man diese „Staubschicht“, die auf den Flügelchen sitzt, nicht verletzt, darf man sie ruhig ganz vorsichtig anfassen.

    Und noch eins… Männer, pffff! 😉

    Herzliche Montagsgrüße – Tati

    • sabinetopf

      Hallo Tati,

      du darfst dich gern immer wiederholen. Da sehe ich wenigstens, dass ich einigermaßen richtig liege. ..lach. ..und das macht mich ganz glücklich.

      Noch eine schöne Woche für dich

      Sabine

  5. Diana

    Tolle Fotos! Besonders den Ausblick bei Nebel finde ich absolut faszinierend, die Hängebrücke wäre allerdings nichts für mich 🙂
    Liebe Grüße
    Diana

    • sabinetopf

      Hallo Diana,

      die Hängebrücke war auch nichts für mich, wenigstens ging es so, bis mein Mann zu wackeln begann. Der Ausblick in die Nebelschwaden war schon toll. Da kann man sich so richtig vorstellen, wie verloren man in diesem Dschungel wäre, wenn man ausgesetzt würde …. lach …. ist aber mit Sicherheit schon irgendwo passiert. Aus der Ferne betrachtet, sieht das dann schon wieder atemberaubend schön aus.

      Liebe Grüße
      Sabine

  6. Mimi Sunshine

    Liebe Sabine,

    die Frau, die ohne mit den Wimpern zu zucken, Termiten isst und wie ein Frosch vor Einheimischen turnt, mag keine Hängebrücken. Kann ich mir gar nicht vorstellen 🙂

    Spaß beiseite, sehr schöne Bilder hast du uns da von den Schmetterlingen mitgebracht. Einfach wunderbar, was unsere Natur uns so zu bieten hat…

    Liebe Grüße
    Mimi

    • sabinetopf

      Hallo liebe Mimi,

      ja du siehst, auch ich habe meine Macken.

      Gerade vorhin, als ich einen Salat aus dem Garten geholt habe, sehe ich einige Blätter total zerfressen und ein millimeterkleines Ding, das an einem Blatt klebt. Mit bloßem Auge konnte ich es gar nicht erkennen, schoss ein Foto und vergrößerte es. Ekelhaft – eine Super-Mini-Schnecke. Da habe ich auch an den Urlaub gedacht und was ich schon in meinem Leben alles verspeist habe, aber mit dieser Schnecke konnte ich rein gar nichts anfangen und habe jedes Blatt 10 Mal umgedreht, bevor mein Magen das gleiche tut … lach

      Am Wochenende kommt mein nächster Bericht und dann noch eine Station und wir sind am Urlaubsende. Aber diese letzte Station war echt gefährlich, was alle Mitreisenden so empfanden und nicht unser Verschulden war. Na, lass dich überraschen.

      Liebe Grüße
      Sabine

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