Reisebericht Costa Rica: verschollen im Dschungel

Obwohl dieser Tag nur ein reiner Fahrtag werden sollte, war er vollgepackt mit schönen Erlebnissen und endete im Dschungel von Costa Rica. Hier hätten wir dann wirklich schreiben können: „Holt uns hier raus!“ Aber eines nach dem anderen, der Tag fängt ja erst an.

Dschungel von Costa Rica

Dschungel von Costa Rica

Wir haben uns sehr schnell an das andere Leben in Costa Rica gewöhnt. Wir wachen auf, wenn es hell wird und gehen schlafen, wenn es dunkel ist. Knurrt unser Magen, essen wir und möchten wir etwas sehen, gehen wir hin. Fast fühlen wir uns wie unsere Vorfahren, die ums Lagerfeuer hockten und mit der Natur eins waren. Ohne meine Uhr, die ich sogar nachts trage, geht bei mir normalerweise überhaupt nichts. Hier habe ich sie nicht eines Blickes gewürdigt und sie baumelte aufgabenlos an meinem Handgelenk herum. Unser Leben hatte eine andere Dimension angenommen, was wir nie für möglich gehalten hatten. Das heißt jetzt aber nicht, dass wir in diesem Urlaub wie ein „Gammelbrot“ umhergelaufen sind, sondern unser Leben lebten und in vollen Zügen genossen.

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Von Tortuguero zurückgekommen, ging es weiter in Richtung Arenal, einem riesigen Vulkan. Das sollte ein reiner Fahrtag werden, da die Entfernung zwar nicht groß, aber die Straßen schlecht waren. Ausnahmsweise konnten wir in unser Navi auch unsere Unterkunft eingeben, wobei es uns grinsend zunickte, was so viel heißen sollte: Alles klar, ihr müsst heute nicht suchen, heute führe ich euch. „Na bitte, geht doch“, dachte ich mir.

Und so bummelten wir mit unserem Auto die Straßen entlang, schauten uns ein interessantes kleines Städtchen an bis unser Magen Signale ans Gehirn sendete: „Hallo, darf ich mal stören? Hast du auch solchen Hunger wie ich? Die Beiden tun gar nicht so, als ob sie das etwas anginge. Bist du bei einer Rebellion dabei?“ Magen und Gehirn waren sich einig und sofort fing mein Magen an zu knurren. „Sag mal“, fragte ich meinen Mann, „wollen wir nicht mal ein Päuschen einlegen und etwas Schönes essen?“ „Ja, wo das jetzt sagst, könnte ich auch etwas vertragen“, gab mein Mann zu.

In Costa Rica gibt es traumhaftes Obst, das besonders gut schmeckt, weil es frisch geerntet am Straßenrand angeboten wird.

Obststand in Costa Rica

Kleiner Obststand mit frisch geerntetem Obst am Straßenrand in Costa Rica

Und so hielten wir Ausschau nach einem solchen Obststand und fanden ihn neben einem riesigen Ananasfeld. Für sagenhafte 2,40 Euro kauften wir dann 1 frisch geerntete Ananas, ½ Papaya, ½ Melone, 1 Mango und 3 Bananen. Mit Händen und Füßen zeigten wir, dass wir alles noch geschält und zerschnitten haben wollten. Und dann ging unser Gelage los. Genussvoll lief uns der Obstsaft nicht nur in den Mund, sondern auch an ihm hinunter und verwandelte unsere Hände in klebrige „Pranken“. Zum Glück hatten wir immer unsere private Wasserleitung in Form von Wasserflaschen an Bord.

Riesige Ananas Felder auf unserem Weg gen Westen zur Pazifikseite Costa Ricas

Riesige Ananas Felder auf unserem Weg gen Westen zur Pazifikseite Costa Ricas

 

Ananas wie sie auf dem Feld wächst (Richtung Westen in Costa Rica)

Ananas wie sie auf dem Feld wächst (Richtung Westen in Costa Rica)

Und wir konnten überall anhalten, wo wir wollten, um Schönes, aber auch Ungewöhnliches zu sehen.

Zebu Rind, gesehen im Westen Costa Ricas

Zebu Rind ist gut den sehr hohen Temperaturen in Costa Rica angepasst

 

 

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Rind Costa Rica (was ist denn hier passiert?)

 

„Stopp, stopp, ich glaube, das ist ein Nasenbär“. Aus dem Gebüsch pirschte sich ein etwa 1 m großes Tier mit hoch erhobenem Schwanz an unser nun stehendes Auto heran.

Nasenbär schleicht um unser Auto herum (Costa Rica Richtung Arenal)

Nasenbär schleicht um unser Auto herum (Costa Rica Richtung Arenal)

 

Nasenbär mit hoch erhobenem Schwanz (gesehen Nähe Arenal Costa Rica)

Nasenbär mit hoch erhobenem Schwanz (gesehen Nähe Arenal Costa Rica)

„Den muss ich haben“, palaverte ich aufgeregt und suchte nach unserem Fotoapparat. „Sieh dich vor“, warnte noch mein Mann. Klar wollte ich mich vorsehen. Ich öffnete zuerst die Tür einen Spalt breit, nichts zu sehen. Also raus. Leise schlich ich am Auto entlang nach hinten. „Wo ist er denn, ist er hinten?“, wollte ich wissen, denn ein bisschen Schiss hatte ich doch. „Ich weiß nicht“, raunte mein Mann, „auf meiner Seite ist er auf jeden Fall nicht mehr zu sehen. Aber wo soll er denn plötzlich hin sein?“ Dann ging alles ziemlich schnell. Ich schaute bei unserem Auto vorsichtig hinten um die Ecke und … huch, da stand er vor mir – Erschrecken – klick – klick – klick, Rückzug, puh – geschafft. Der Ameisenbär hatte mich nicht einmal angeschaut und sich gemächlich wieder getrollt. Ach, wie liebe ich solche Situationen, freute ich mich später im Auto.

Rabengeier beim Fressen von Aas

Rabengeier (ca. 74 cm groß und etwa 160 cm Flügelweite), gesehen Nähe La Fortuna Costa Rica

 

Rabengeier Costa Rica

Geier in Costa Rica

Aber wir stoppten an diesem Tag noch ein weiteres Mal, um mein erstes Faultier in Costa Rica wenigstens stückchenweise zu Gesicht zu bekommen. Geier, die ein Faultier zerlegten, rupften riesige Stücke heraus und fraßen sie. Ein bisschen Gerippe von dem Ärmsten ragte noch in die Luft. Ja, Fressen und gefressen werden.

Lustig schwatzend fuhren wir die letzten Kilometer, die uns noch von unserer Unterkunft trennten, als sich die monotone Stimme unserer Navi-Frau einschaltete: „Bitte biegen sie nach 50 m links ab in die Vei.“ „Was? Die spinnt wohl“, konterte mein Mann sofort, „die Straße geht doch geradeaus weiter. Ich biege jetzt nicht hier ab.“ In der Zwischenzeit kramte ich nach unserer Landkarte, die ebenfalls nur sehr spärlich Auskunft gab, und musste feststellen, dass man zu unserem Hotel wirklich nur durch die Vei kommt. „Schätzchen, kleine Überraschung“, flötete ich, „du musst abbiegen. Hier gibt es keine andere Möglichkeit als die Vei.“ Mein Mann grummelte etwas vor sich hin und tat, was ich ihm sagte.

Straße voller Schlaglöcher in Richtung Arenal

Straße in Richtung La Fortuna

Bereits nach einigen Minuten waren wir voll gefangen in einer Straße, die man mit „Loch an Loch und hält doch“ hätte bezeichnen können. So viele Schlaglöcher hatten wir noch nirgendwo gesehen: große, kleine, tiefe, flache, aber keine Chance ihnen auszuweichen, da sie überall waren. Also tuckerten wir mit 5khm die Vei entlang. Rechts und links wurde der Weg von hohem, tiefem Dschungel umsäumt und hätte man nicht nach unten auf die „Löcherkette“ schauen müssen, wäre man von so viel Schönheit ins Träumen gekommen. Da wir aber nur sehr langsam vorankamen, breitete die Nacht langsam ihr Tuch über den Dschungel und hüllte auch uns damit ein. Unter Scheinwerferkegel erfasste nur schwerlich, was sich vor uns auftat und unsere Navi-Frau hatte sich scheinbar auch schlafen gelegt, als wir plötzlich an eine dreigeteilte Kreuzung kamen. Ich versuchte, diese Situation ein wenig zu entspannen und witzelte: „Tja Schatz, im Märchen geht jetzt Einer den richtigen Weg und wird dann aufgrund seines Mutes zum Prinzen. Willst du nicht aussteigen und nachsehen?“ Aber mein Mann wollte kein Prinz werden und so tippte er auf die eine und ich auf die andere Straße (eher Steinbruch-Weg). „Hm, da wir keine Übereinstimmung erzielen können, sollten wir den übriggebliebenen Weg nehmen“, schlug ich vor. Eigentlich war das auch egal, denn alle drei Wege sahen gleich aus. Holpernd ging es weiter bis zur nächsten Kreuzung. Wir hatten überhaupt keine Ahnung mehr, wo wir eigentlich waren. Und die Navi-Frau schlief noch immer. Zeitweise streiften Sträucher auf dem engen Weg unser Auto bis wir zu einer kleinen Brücke mit dem „gewissen Oho“ kamen. Sie bestand aus Planken und war unbefestigt, also kein Geländer oder dergleichen. Wir hatten auch keinen Plan, wie tief es nach unten ging und ob uns beim „Abflug“ Wasser oder Bäume erwarten würden. Ich war nur guter Hoffnung, dass mein Mann seine ruhige Hand am Lenkrad behielt und uns sicher hinüberbringen würde. Ein Zurück war bei den vielen Abbiegungen undenkbar, da wir den Rückweg nie gefunden hätten. Ich hatte die Taschenlampe an meinem Handy angeschaltet und leuchtete die Umgebung ab. Da fiel mein Blick auf unser GPX. Koste es, was es wolle, hier mussten wir raus. Wer weiß, was uns noch erwartete und wir in der Dunkelheit nicht sehen konnten. Als kleiner blauer Punkt erschien auch sofort unser Auto auf meinem Handy und ich konnte uns so aus diesem Dschungel herauslotsen. Erleichtert betraten wir wieder „zivilisierten“ Boden mit unserem Auto, als die Navi-Frau erschrocken aufwachte: „Nach 50 m bitte rechts abbiegen in die Vei.“ „Kamel“, sagte mein Mann und jetzt mussten wir doch lachen. Ich bewundere meinen tollen Mann immer wieder, mit welcher Gelassenheit und Ruhe er mit mir zusammen all diese Situationen meistert und sogar noch Freude daran hat.

Das nächste Mal erwartet euch: Wunderschöne Wanderung, doch plötzlich stehen wir vor einer langen schaukelnden Hängebrücke. Was jetzt?

 

Tipps:

  • In Costa Rica ist fast alles Ess- und Trinkbare sehr teuer. Die günstigsten Preise hat man noch an der Karibikküste. Doch je weiter man in Richtung Pazifik gen Westen oder in Richtung Manuel Antonio kommt, um so sprunghafter steigen die Preise an.
  • Auf der gesamten Fahrtstrecke findet man jedoch kleine Obststände mit frisch geerntetem Obst, wie Ananas, Bananen, Mangos, Papaya, Melonen und vielem mehr. Wir hatten für 2,50 Euro an solch einem Stand folgendes eingekauft: 1 mittelgroße Ananas, ½ Papaya, ½ Melone, 1 Mango, 1 Orange, 1 Art Nektarine und 3 Bananen für diesen Spottpreis. Wer kein Spanisch spricht, kann sich bei den einfachen liebenswerten Menschen mit Händen und Füßen begreiflich machen, zeigt mit Handbewegungen auf das, was man möchte. Diese Stände sind von äußerster Sauberkeit. Das Obst wird zugeschnitten, wobei die Ticos Folientüten über ihre Hände ziehen, um hygienisch zu arbeiten. So extrem leckeres Obst vom „Garten auf den Tisch“ sollte man sich nicht entgehen lassen.
  • Da unser Navi uns des Öfteren verkehrt leitete oder ganz im Stich ließ, würden wir raten, eine Karte von Costa Rica mitzunehmen (wir hatten eine dabei).

 

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18 comments

  1. testandtry

    Das sind ja wirklich tolle Bilder! Da bekommt man gleich Lust auf Urlaub 😉 LG und schönes Wochenende 😉

    • sabinetopf

      Hahaha 🙂 Besonders die vielen Schlaglöcher 🙂

      Ich hätte ja auch gern mal ein Foto von mir mit obst-verschmiertem, gierigem Gesicht gezeigt. Leider kann mein Mann alles, aber nicht fotografieren. Und so war alles verwackelt 🙂

      Liebe Grüße
      Sabine

  2. Tati

    Huhu Sabine,

    wieder ein superschöner Beitrag, den ich sehr gerne gelesen habe. Diese Tiervielfalt, der Wahnsinn. Obwohl ich irgendwie froh bin, dass es hier nicht sooo viele wilde Tiere gibt. 😉

    Ein schönes Restwochenende und herzliche Grüße – Tati

    • sabinetopf

      Hallo liebe Tati,

      so schlimm ist das gar nicht in Costa Rica. Die allermeisten Tiere habe mehr Angst vor dir als du vor ihnen … lach. Man muss sich nur an die „Regeln“ halten, dann ist alles paletti. Ich war später noch allein auf einer Insel, während mein Mann schnorcheln ging. Da war ich auch im Busch. Habe allerdings lauter mit den Füßen aufgetreten, um sicher zu gehen, dass Schlangen und kleine Tierchen mich hören und die Chance haben, wegzukriechen oder zu -laufen. Alles halb so schlimm.

      Liebe Grüße und einen schönen Sonntag

      Sabine

  3. Antje M.

    Ich liebe ja Reiseberichte und Deine sind einfach toll! Danke für die tolle Beschreibung mit den eindrucksvollen Fotos!
    Ich lese Dich jetzt regelmäßig.
    LG Antje

    • sabinetopf

      Hallo liebe Antja,

      da freue ich mich aber total. Es ist einfach die übergroße Freude, so etwas Schönes erlebt zu haben, die immer noch anhält. Und so macht es mir so viel Spaß, das alles aufzuschreiben und zu hoffen, Andere mit meiner Begeisterung anzustecken.

      Liebe Grüße und ich freue mich auf dich 🙂
      Sabine

  4. shadownlight

    da bekomme ich richtig fernweh und weisst du was, ich wusste nicht, wie eine ananaspflanze aussieht, eigentlich schon fast eigenartig, das ich mich das nie gefragt habe und dank dir, weiss ich es jetzt 🙂
    liebe grüße!

    • sabinetopf

      Jetzt muss ich echt lachen, du wusstest nicht, wie eine Ananaspflanze aussieht? Ich auch nicht. Ist schon eigenartig. Man isst sie so oft und weiß nicht, wie sie wächst. Ich war auch ganz hin und weg, als ich das riesige Ananas-Feld sah. Eigentlich habe ich nie über so etwas nachgedacht und war echt perplex.
      Du bist also nicht allein 🙂

      Liebe Grüße Sabine

    • sabinetopf

      Hallo liebe Katrin,

      definitiv wirst du bei meinem nächsten Ausflug einfach mitgenommen. Vergiss dann aber deine Kamera nicht. Mit wird es nicht nur lustig, sondern auch action-reich 🙂

      Liebe Grüße
      Sabine

  5. Testgitte70

    Euer Navi ist ja ein Ausbund an Zuverlässigkeit! Ne, ne ich hätt mir in die Buxe gemacht…..
    Deine Aufnahmen sind wieder sehr schön geworden.

    LG und einen tollen Wochenbeginn
    Brigitte

    • sabinetopf

      Wir wollten uns nach unserem „Einstand in San José“ schon ein neues Navi kaufen. Aber eine Schweizerin, die hier wohnte, meinte, dass das normal mit unserem Navi sei. Es gibt in Costa Rica halt keine Straßennamen und so muss man Ort für Ort eingeben bis man am Ziel ist. Die Vei im Dschungel war ja richtig, ohne sie wären wir nicht zum Hotel gekommen. Aber dass das dumme Ding im Dschungel keinen Ton mehr sagte, haben wir ihm schon ziemlich übel genommen.

      Liebe Grüße und danke für deinen netten Kommentar.

      Sabine

  6. Mimi Sunshine

    Liebe Sabine,

    dieses Mal habe ich deinen Post mit angehaltener Luft gelesen. Der Weg zu eurer Unterkunft war ich sehr gespannt, wie ihr da wieder rausfindet. Du hast es so spannend geschrieben, man muss einfach weiter lesen.

    Ich habe deine Posts zu eurer Reise noch nicht alle gelesen, aber eins steht fest: ihr habt eine super spanende und interessante Reise gebracht und ich freue mich schon auf die nächsten Posts.

    Liebe Grüße
    Mimi

    • sabinetopf

      Hallo liebe Mimi,

      das ist ein wunderschönes Kompliment für mich als Schreiberling. Vielleicht kommt das so rüber, weil ich immer noch total fasziniert bin und beim Schreiben alles Erlebte noch einmal mitmache 🙂
      Gestern habe ich wieder einen Bericht veröffentlicht, aber das sind eher ruhige Tage gewesen, da ich dachte, mein Mann muss auch einmal ein wenig Ruhe von meiner Unruhe haben … lach.
      Aber zum Ende der Reise geht es noch einmal ordentlich zur Sache.

      Lass dir Zeit mit Lesen, läuft ja nicht weg.

      Ganz liebe Grüße und vielen Dank für den schönen Kommentar.

      Sabine

      • Mimi Sunshine

        LIebe Sabine,

        das meine ich ganz ehrlich. Du solltest Reisereporterin werden. Die Reiseunternehmen würden sich eine goldene Nase verdienen, so viele Leute die du dann neugierig auf die Orte machst.

        Ich hoffe noch auf viele schöne Reiseberichte, nicht nur über Costa Rica 🙂

        Liebe Grüße
        Mimi

        • sabinetopf

          Ach Mimi,

          Spaß würde mir so etwas schon. Doch da gibt es schon andere als Profi. Schuster bleib bei deinen Rappen …. lach.

          Ich freue mich schon ganz ehrlich, wenn euch meine Berichte gefallen. Dann merke ich beim Lesen von euren Kommentaren wie sich meine Mundwinkel nach oben ziehen und ich strahle 🙂

          Habt liebe Grüße
          Sabine 🌻

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